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Reduzierung des Arzneimittelverbrauchs nach GKKT -110°C Prof. Dr. sc. med. Winfried Papenfuß 08/2010

Aktualisiert: 6. Feb 2020


Die Reduzierung des Arzneimittelverbrauchs nach serieller Ganzkörperkältetherapie -110°C ist in mehreren Studien untersucht und durch klinische Beobachtung und Erfahrung vielfach bestätigt worden. Sie ist hauptsächlich auf die antiphlogistische und analgetische Wirkung der GKKT zurück zu führen.


Die antiphlogistische Wirkung kommt nach bisheriger Kenntnis über die Afferentation der nervalen Erregungen, die aus dem extremen Kältereiz resultieren und die in zentrale Steuerungsvorgänge lokaler und systemischer Entzündungen einfließen, zustande. Eine Modifizierung der Aktivität von Entzündungsmediatoren, Zytokinen und T-Lymphozyten ist die Folge (2,6,7,9).


Die analgetische Wirkung ist Resultat mehrerer nervaler Vorgänge und natürlich der antiphlogistischen Komponente der GKKT. Sie resultiert im unter anderem aus

-der zentralen Hemmung (Desensibilisierung und Deaktivierung) von Nozizeptoren über die Kältestimulation von Ad-Afferenzen,

-Blockade der Schmerzsensoren bei einer Hauttemperatur unter 10°C (bei GKKT werden Werte um 5°C erreicht)

-Aktivierung von deszendierenden analgetisch-inhibitorischen Bahnen durch Kälteeinwirkung und Ausschüttung von Endorphinen

-der Blockade der langsam leitenden C-Schmerz-Nervenfasern durch die schnell leitenden (saltatorisches Leitungsprinzip) thermischen Ad-Nervenfasern,

-der Unterdrückung zum Beispiel eines „dumpfen“ Gelenkschmerzes durch den „hellen Kälteschmerz“ und wahrscheinlich

-einer positiven Wirkung auf das Schmerzgedächtnis (oft die Ursache chronischer Schmerzzustände) (6,7,9).


Von großer Bedeutung für die Reduzierung des Arzneimittelverbrauchs ist die Langzeit-wirkung (bis zu drei Monaten und länger) der indikationsgerechten seriellen GKKT. Diesen Langzeiteffekt konnten wir in einer Studie, in die 689 Schmerzpatienten (entzündlich- und de-generativ-rheumatische Erkrankungen, spastische Muskelerkrankungen, zervikale und lumbale Schmerzzustände u. a.) einbezogen waren (davon brachen 35 die Kältetherapie aus 2 unterschiedlichen Gründen vorzeitig ab), bestätigen.

Die in die Untersuchung einbezogenen 654 Patienten litten überwiegend (93,3%) an mittleren bis starken Schmerzen (auf der Schmerz-Skala 5 -10). Nach einer ein- bis dreiwöchigen seriellen GKKT (12 Applikationen in der Woche) war der Anteil der Patienten mit mittleren und starken Schmerzen auf 39,8% gesunken. Dieser Wert war bei der Befragung der Patienten nach drei Monaten lediglich um ca. 4% angestiegen. Bemerkenswert ist der Anteil der Patienten, die durch die GKKT eine Schmerzfreiheit erreichten. Nach Abschluss der Behandlung waren es 28,3%. Nach drei Monaten berichteten 51,6% der Patienten über ihre Schmerzfreiheit (Langzeitwirkung der GKKT). Das bedeutet auch, dass etwa die Hälfte der Patienten ohne entzündungshemmende Medikamente bzw. Analgetika auskam (4,11 ).


STRATZ et al. (10) berichten über eine 68%ige Senkung der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) nach GKKT bei Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis (RA). Von den mit GKKT behandelten Morbus-Bechterew (MB)-Patienten konnten 75% vollständig auf die Einnahme von NSAR verzichten.