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Kälte und Rheumatische Arthritis

Multimodale physikalische Therapiemaßnahmen nehmen bei der Behandlung von entzündlich-rheumatischer Erkrankungen eine wichtige Rolle ein. In diesem Kontext haben ebenfalls Kryotherapeutische Verfahren einen festen Stellenwert, aufgrund ihrer guten Wirksamkeit. Seit Mitte der 1980er-Jahre wird in Deutschland auch die Ganzkörperkältetherapie mittels Kältekammer bei der Behandlung unterschiedlicher Krankheitsbilder und Funktionsstörungen eingesetzt. [1]


Schmerzreduktion und Krankheitsaktivität


Schmerz entsteht durch Aktivierung von Nozizeptoren mittels mechanischer, thermischer oder chemischer Reize. Eine Kälteapplikation über die Haut führt zu einer Desensibilisierung peripherer Nozizeptoren und somit zu einer Anhebung der Schmerzschwelle. Darüber hinaus werden Schmerzimpulse über C-Fasern und Aδ-Fasern, welche stark auf thermische Reize reagieren, geleitet. Da beide Fasertypen die gleiche afferente Bahn im Rückenmark nutzen, führt eine Stimulation der Aδ Fasern durch Kälte zu einer Hemmung der C-Fasern mit anschließender Reduktion der Schmerzweiterleitung und Veränderung der Verarbeitung von Schmerzreizen. [1; 2]

Die zentralsten Effekte der Ganzkörperkältetherapie bestehen in der Senkung des Schmerzempfindens sowie in der Verbesserung der Krankheitsaktivität, welche sich bereits nach einmaliger Anwendung diagnostizieren lassen [3; 4].

In Bezug auf die Reduzierung des Schmerzempfindens konnte gezeigt werden, dass eine einwöchige Kälteanwendung von -110° C besonders effektiv ist im Vergleich zu Kälteanwendungen von -60° C sowie lokalen Kälteanwendungen [4; 5].

Im direkten Vergleich zu klassischen Rehabilitationsprogrammen, bestehend aus Magnet-, Elektro-, Ultraschall sowie Lasertherapie, ergaben sich bei einer zweiwöchigen Ganzkörperkältetherapie keine Unterschied in Bezug auf die Schmerzreduktion [6].

Weitere Untersuchungen stellten ebenfalls fest, dass eine dreiwöchige Kältebehandlung die Körperfunktionen sowie die Krankheitsaktivität nicht nur während dem Therapiezeitraum signifikant verbesserten, sondern im Gegensatz zur klassischen Therapie auch 3 Monate nach der Behandlung noch signifikant verbesserten [7].


Entzündungshemmende Wirkung



Durch extreme Kälte kommt es zu einer starken Aktivierung des sympathischen Nervensystems, welches eine erhöhte Freisetzung von Noradrenalin zur Folge hat. Aufgrund des erhöhten Noradrenalin-Levels wird die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin(IL)-1, IL-6 und tumor necrosis factor (TNF)-α vermindert und die Ausschüttung des antiinflammatorischen Zytokins IL-10 gesteigert. [1; 4; 6]

Ein weiterer wichtiger Einfluss von Kälte auf Entzündungsprozesse ist die signifikante Reduktion von Histamin im Blut, einem Botenstoff bei allergischen und Entzündungsreaktionen, durch eine vierwöchige Kältetherapie